Von „Bau“ bis „Blau“

Jeder Gärtner weiß, fertig mit der Gartenarbeit ist man nie. Neben der laufenden Gartenpflege wird in den Gödenrother Gärten aber zusätzlich immer noch gebaut. Das aktuelle Projekt ist der Erdkeller oder, wie er von uns liebevoll genannt wird, das Hobbithaus.

Erde und Baumstämme müssen in größeren Mengen und Maßen bewegt werden, damit ein Raum entsteht, in dem ganzjährig konstante Temperaturen herrschen. Hier können dann zum Beispiel nicht frostfeste Pflanzen bzw. deren Knollen überwintern, der Raum kann aber auch anderweitig genutzt werden, ganz profan als Geräteschuppen oder auch für Veranstaltungen.

Abgesehen von den Bauarbeiten sind wir natürlich im Dialog mit Pflanzen in den Gödenrother Gärten. Einige Arten nehmen Überhand und breiten sich an Stellen aus, die wir nicht für sie vorgesehen hatten. Ja, wir jäten Unkraut. Auch in der Permakultur wird das manchmal notwendig. In diesem Sommer machen uns besonders der Ampfer-Knöterich (Persicaria lapathifolia), der Stachel- oder Kompass-Lattich (Lactuca serriola), die Acker-Kratzdistel (Cirsium vulgare) und die Nickende Distel (Carduus nutans)  das Leben schwer.

Übrigens gilt in Mitteleuropa die Kornblume (Centaurea cyanus L.) als Ackerunkraut. Ihr tiefes Blau leuchtet an Kornfeldrändern und trockenen Schuttplätzen. Ihre auffallende Farbe ist eine wunderschöne Ergänzung zum roten Klatschmohn, der weißen Kamille und dem gelben Acker-Schöterich, in deren Gesellschaft die Kornblume häufig anzutreffen ist.

Die abschätzende Wertung als Ackerunkraut unterschlägt die Tatsache, dass sie ein Kulturfolger ist und erst durch den Menschen und seinen Ackerbau bis nach Mitteleuropa gebracht wurde. Interessanterweise hat die starke Überdüngung der Felder die Kornblume in ihren Beständen dezimiert. Wir sollten uns daher freuen, wenn wir heute die Kornblume an und in den Kornfeldern finden, denn sie ist ein Zeichen dafür, dass hier nicht zu exzessiv mit Düngemitteln umgegangen wurde.

Die Kornblume ist einjährig, säht sich in jedem Jahr neu aus und stirbt danach. Zum Teil wachsen bereits im Herbst Jungpflanzen aus den Samen, die dann überwintern, aber auch diese vergehen nach dem Aussamen im kommenden Sommer.

In der Volksheilkunde wurde die Kornblume unter anderem bei Appetitmangel und Verdauungsstörungen genutzt, sie wird jedoch im Gegensatz zu einer ihrer Verwandten, der Berg-Flockenblumen, nicht mehr therapeutisch eingesetzt. Ihre blauen Blüten, die auch nach dem Trocknen ihre schöne Farbe behalten, werden allerdings gerne Teemischungen zugefügt, aus optischen Gründen.

Die Aromatherapie stellt aus der Kornblume ein Pflanzenwasser, ein Hydrolat, her, das bei überanstrengten Augen hilft und das auch als Haarwasser Verwendung findet, weil es dem Haar Glanz verleiht.

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