BG_Waldmeister_Frühlingsplatterbse

Heilsame Rhythmen

Liebe Gartenfreunde,

unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Das Säen und Pflanzen im April wird dieses Jahr bis weit in den Mai weitergehen, denn der April war auch hier im Hunsrück verhältnismäßig kalt. Aber jetzt stehen die Setzlinge in den Startlöchern und wir freuen uns auf einen bunten Mai.

Was haben wir alles gesät?

Heute möchte ich Sie mitnehmen in den Nutzgarten. Wir haben seltene Gemüsesorten gesät und vorgezogen. Saatgut bekamen wir unter anderem von unseren Gartenfreunden Andrea und Bernd Socher. Wir haben sie im März besucht und es war uns eine Freude diesen besonderen Garten am Fuße der Klosterruinen Disibodenberg zu erleben. Eine wunderschöne sanfte Gegend. Hier kann man der Liebe der Hildegard von Bingen zu den Pflanzen geradezu nachspüren. Ein Ausflug auf die Webseite der Sochers ist empfehlenswert: www.landschaftenschmecken.com

Die Sochers und uns verbindet viel. Es ist uns ein großes Anliegen, wieder mehr Vielfalt in den Garten und auf den Esstisch zu zaubern und alten Gemüse-, Obst und Heilpflanzen ein Zuhause anzubieten. werden. Wir wollen sie vermehren, um sie für nachkommende Generationen zu erhalten. Dazu gehört auch das Wissen um den Umgang mit der Pflanze selbst und die Erfahrungen, die wir mit ihnen sammeln, bewahren und teilen.

Kommen Sie gerne vorbei und fragen Sie uns nach den kleinen, großen Schätzen. Und wenn Sie selbst eine Leidenschaft für das Sammeln alter Pflanzensorten haben, freuen wir uns sehr über einen Austausch mit Ihnen.

Im Takt mit dem Garten

Ja, der Garten hält uns auf Trab und er lehrt uns, zu beobachten. Dabei lernen wir eine ganz besondere Lektion, gerade in der Zeit, in der ein Garten unsere besondere Zuwendung braucht, um zu gedeihen. Denn alles hat seine Zeit und seinen Rhythmus. Auch wir sollten uns diesen Rhythmen anpassen. Hildegard von Bingen riet dies ganz explizit und baute dieses Wissen in den strikt geregelten Alltag der Nonnen ein.

Wo können wir diesen Rhythmus in der Natur, im Garten erfahren? Es gibt viele Hinweise für einen natürlichen Rhythmus. Eckpfeiler sind die Jahreszeiten, die Monate und natürlich Sonnenauf- und Untergang. Um unsere innere Uhr wieder auf „natürlich“ zu stellen, haben wir in jedem naturbelassenen Garten Freunde, die uns dabei helfen können. Hierfür lenke ich Ihr Augenmerk einmal in die Bäume und Büsche lenken oder vielmehr auf deren Bewohner.

Grade jetzt im Mai haben sie Hochsaison. Die Vögel ziehen ihren Nachwuchs groß und sind, genau wie wir, sehr beschäftigt. Hören wir genau hin, so können wir feststellen, dass sie vor dem ersten Sonnenlicht aktiv werden und meist mit den letzten Sonnenstrahlen zur Ruhe kommen. Wir können auch beobachten, dass sie Ruhephasen haben und zwar immer zur selben Zeit. Bei den meisten Vogelarten beginnt die erste Pause gegen 9:00 Uhr, eine weitere mittags und nachmittags gegen 16:00 Uhr noch eine weitere, bis die Dämmerung die längste Ruhepause, die Nacht, einläutet. Es ist faszinierend. Und nicht nur den Vögeln gelingt es, ihren Tagesablauf in einen gesunden Rhythmus zu bringen. Auch viele Säugetiere, wie beispielsweise Reh und Dachs, sind sogenannte Gewohnheitstiere. Wir können von ihnen viel über uns selbst lernen.

Es muss Zeiten des Tuns und Zeiten des Ruhens geben. Die Natur bewegt sich in Kreisläufen, alles kehrt wieder, alles hat seine Zeit, nichts wird verschwendet. Alles wird immer wieder umgebaut zu etwas Neuem, das dem Kreislauf dient. Wenn wir der aktuellen, fast unerträglichen Situation etwas Gutes abgewinnen wollen, dann, dass sie uns ein stückweit ein wenig entschleunigt hat. Das können wir nutzen und uns dem Rhythmus der Natur wieder anpassen. Wenigstens in unseren Gärten.

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